„La Mara“ im Potsdamer Schlosstheater

LA MARA, Probenfoto, Foto: A. Sommer/I CONFIDENTI „Der Sopranist verfügt über eine wunderschöne Stimme, die Geschmeidigkeit und kraftvolle Klarheit vereint.“
Märkische Allgemeine, Antje Rößler - 5.09.2011
„Die zarte Gestalt und das Wachspuppengesicht machen ihn zudem zu einer idealen Besetzung für die häufig zwischen den Geschlechterrollen changierenden Barockpartien.“
Märkische Allgemeine, Antje Rößler - 5.09.2011

POTSDAM – Lieber würde er sich von einem Pferd eine Arie vorwiehern lassen. So unkte Preußens Friedrich, als man ihm Gertrud Elisabeth Schmeling ankündigte. Eine deutsche Sängerin. Wo er sich doch sämtliche Koryphäen des italienischen Bravourgesangs bestellen konnte! Doch die 22-jährige Tochter eines Kasseler Stadtmusikanten übertraf seine Erwartungen.

Um diese Primadonna dreht sich „La Mara“, ein szenisches Konzert des Potsdamer Ensembles I Confidenti. Die Premiere fand am Freitag im Schlosstheater statt – genau dort, wo Fräulein Schmeling 1771 als Opernsängerin debütierte. Kurz darauf verliebte sie sich in den Cellisten Johann Baptist Mara, den die Hofschranzen aufgrund seiner Gunst bei Prinz Heinrich als „Heinrichs Leibgeige“ bespöttelten.

Regisseur Nils Niemann hat ein kurzweiliges Pasticcio über diese Künstlerin zusammengestellt, die Maria Theresia, Goethe oder Mozart begeisterte. Der Preußenkönig versuchte gar, sie auf Lebenszeit an die Berliner Oper zu fesseln. Eine Zumutung, der sich die Sängerin erst nach acht Jahren durch Flucht entziehen konnte. Auch sonst war La Mara eigensinnig: Sie komponierte, plante ihre Konzerte selbst, setzte den besitzergreifenden Vater und den trunksüchtigen Ehemann vor die Tür und nahm sich jüngere Liebhaber.

Halsbrecherische Koloraturen

Die Klammer des Stücks bildet Klaus Büstrins chronologisch gefügte Lesung aus Erinnerungen der Sängerin und Berichten von Zeitgenossen. Bereits im Alter von fünf Jahren reiste Gertrud in Begleitung des Vaters als Geigenwunderkind durch Europa. Auf den Gesang stieg sie um, weil feine englische Damen die Geige als „nicht kleidsam für ein Mädchen“ erachteten.

In der herausfordernden Hauptrolle überzeugt die Berliner Sopranistin Doerthe Maria Sandmann, die mit bravouröser Gesangstechnik, großer Spielfreude und einer gehörigen Portion Witz die gesangliche Bandbreite der Mara aufzeigt: von halsbrecherischen Koloraturarien bis zu kunstvoll verzierten Klagegesängen; von Händel bis zu dem Berliner Komponisten Carl Heinrich Graun.

Unbefangenes Spiel

Sandmanns Gesangspartner ist Philipp Mathmann, der Medizin und Musik zugleich studiert und als Sänger sein Falsettregister ausbildet. Der Sopranist verfügt über eine wunderschöne Stimme, die Geschmeidigkeit und kraftvolle Klarheit vereint. Die zarte Gestalt und das Wachspuppengesicht machen ihn zudem zu einer idealen Besetzung für die häufig zwischen den Geschlechterrollen changierenden Barockpartien.

Schließlich gibt Steffen Findeisen mit eindringlicher pantomimischer Kunst den Ehemann der Mara und den König. Die drei Darsteller, deren Gestenrepertoire sich an barocker Schauspielkunst orientiert, treten in historischen Kostümen aus aufgebauschter Seide auf. Dazu spielt frisch und unbefangen das kleine studentische Ensemble baroque der Berliner Universität der Künste, das Irmgard Huntgeburth von der Geige aus leitet.

Auch ihre letzten Jahre verbrachte La Mara geradezu opernreif. Sie lebte in Moskau und Tallinn, trennte sich von ihrem letzten Liebhaber, gab mit 72 ihr Abschiedskonzert und empfing noch zehn Jahre später schwärmerische Verse von Goethe. Der Dichter erinnert sich hier der 50 Jahre zurückliegenden „süßen Zeit“, als er die Mara auf der Bühne hören durfte.
FOTO: LA MARA, Probenfoto, Foto: A. Sommer/I CONFIDENTI