Als Frauen nicht in der Kirche singen durften

Als Frauen nicht in der Kirche singen durften „Im »Stabat Mater« ergänzten sich Soprano, Philipp Mathmann und Alt, L. und vereinten sich nahezu in einer Stimme. Die zwei Stimmen erfüllten die Kirche, ein ganz besonderes Klangerlebnis.“
Isabella Henkenjohann, Westfalen-Blatt Nr. 263 - 11.11.09
„Kraftvolle Töne legten sich über die präsente Streichmusik und boten ein gelungenes Gesamtkunstwerk. Mathmann ist ein Klangwunder …“
Isabella Henkenjohann, Westfalen-Blatt Nr. 263 - 11.11.09

Schloss Holte-Stuckenbrock. – Pergolesi, Albinoni

Haydn – drei berühmte Komponisten. Mit ihren Werken gestaltete das Ensemble »Symphonia Nova« einen Abend voller Musik, die die St.-Johannes-Baptist Kirche erfüllte. Nur etwa 30 Gäste kamen in die St.-Johannes-Baptist-Kirche, um sich die wundervolle Darbietung der jungen Musizierenden anzuhören. Der Auftritt der Gruppe ist offenbar der Vielzahl von Konkurrenzveranstaltungen untergegangen. Doch die Zuhörer, die gekommen waren, wurden reichlich belohnt. Mit ihren sanften Stimmen füllten die vier Vokalsolisten die Kirche mit wohlklingenden Tönen. Mit ihrer gefühlvollen Darbietung und dem Glanz in ihren Stimmen, ergänzten sie die herausragende Kunst der Musiker.

Die Instrumente in diesem Programm waren solistisch besetzt: Britta Schuhknecht (erste Violine), Benjamin Warlich (zweite Violine), Katharina Dany und Ludwig Zeller (beide Viola, Benedikt Kleineidam (Violoncello), Ben Sahlmüller (Contrabass) und Leiter des Ensembles, Harduin Boeven (Orgel) boten die Stücke meisterhaft dar. Das Novemberkonzert, das in fünf Kirchen in der Umgebung, in Münster, Ibbenbüren, Haltern und Witten-Annen stattfindet, präsentierten die jungen Musiker das »Stabat Mater« in f-Moll von G. B. Pergolesi, das »Adagio in sol minore« von Tomaso Albinoni sowie das »Salve Regina« in g-Moll von Joseph Haydn. Dabei interpretierten sie die Stücke sehr werknah, das zeichnet das Streichensemble aus. Die »Symphonia Nova« wartete mit vier außergewöhnlichen Solisten, Philipp Mathmann (Soprano), Daniel Lager (Altus), Nik Kevin Koch (Tenor) und Sang Ywoon Park (Bariton), auf. Im »Stabat Mater« ergänzten sich Soprano und Alt und vereinten sich nahezu in einer Stimme. Die zwei Stimmen erfüllten die Kirche, ein ganz besonderes Klangerlebnis. Das war auch die Bearbeitung des Salve Reginas, mit allen vier Vokalstimmen gemeinsam, die hervorragend harmonierten.

Besonders ungewöhnlich ist die Besetzung der Sopran- und Altstimme mit männlichen Vokalisten, wie es zur damaligen Zeit noch üblich war, als Frauen in Kirchen nicht singen durften. Heutzutage singen allerdings Frauen diese Stimmen. So boten die Künstler eine nahezu originale Fassung der Stücke an, die mittlerweile weitestgehend ungehört ist. Dabei erreichte Soprano Philipp Mathmann Stimmlagen in einer unglaublichen Höhe, die Zuhörer einer Frau zugedacht hätten. Kraftvolle Töne legten sich über die präsente Streichmusik und boten ein gelungenes Gesamtkunstwerk. Mathmann ist ein Klangwunder: Als Bariton und als Sopran einsetzbar, ist er ein stimmphysiologisches Phänomen. Philipp Mathmann gründete das kammermusikalische Ensemble erst vor einem Jahr. Die jungen Musiker sind Studenten verschiedener Fachbereiche an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und widmen sich der Musik des Barocks und der frühen Klassik. Unter der Leitung des Diplommusikers Harduin Boeven arbeiten sie in zeitlich konzentrierten Probenphasen auf Konzerte hin.

Ganz unglaubliche Stimmlagen für Männer: Soprano Philipp Mathmann (links) und Altus Daniel Lager beim Konzert in Stukenbrock. Isabella Henkenjohann, Westfalen-Blatt Nr. 263 – 11.11.09