Die Schalmeien der heiligen Nacht – Konzert: „In dulci jubilo“

„Philipp Mathmann ließ in drei Arien seine Sopranstimme durch ätherische Musikzeilen fliegen, blieb den kleinsten Notenwerten engelsgleich auf der Spur.“
Münstersche Zeitung, Günter Moseler - 12.01.2010

Münster – Dass die Musik die spirituellste aller Künste ist, hat ihr seit Jahrhunderten zu großen Festtagen himmelhohe Aufgaben beschert. Im Weihnachtskonert „In dulci jubilo“, dass der Kammerchor der Herz-Jesu-Kirche gab, wurden Chöre und Instrumentalmusik damit spielend fertig. Besonders die majestätischen Chöre aus Georg Friedrich Händels „Messias“ entfalteten unter Michael Schmuttes präziser Leitung bezwingende Großerherzigkeit.

Das strahlend skandierte „And the glory of the lord“ ließ die erhoffte zukünftige Ewigkeit überaus wünschenswert erscheinen. Mit jedem Takt stifteten die Damen und Herren im unbeschwert, Grandiosem dieser Musik unmittelbaren Gemeinschaftssinn. Philipp Mathmann ließ in drei Arien seine Sopranstimme durch ätherische Musikzeilen fliegen, blieb den kleinsten Notenwerten engelsgleich auf der Spur.

Alessandro Marcellos Oboenkonzert in d-Moll und Antonio Vivaldis Konzert für Blockflöte F-Dur beleuchteten die Schalmeien-Atmosphäre der heiligen Nacht. Die Oboistin Masako Kozuki gewann dem Marcello-Konzert jene Inwendigkeit ab, die zwischen barocker Kontrapunktik und melodischer Strenge oft verloren geht. Wiebke Müller demonstrierte die Geläufigkeiten der Blockflöte mit präzisen Skalen, spurtete leichfingrig durch die Schneewehen der virtuosen Ecksätze. Ebenso wie Kozuki gelang ihr die miniaturhafte Intimität des langsamen Satzes mit intensiven Bögen und viel Melancholie.

In der zweiten Strophe von Johann Sebastian Bachs „Wie schön leuchtet uns der Morgenstern“ sang auch die Gemeinde mit, Camille Saint-Saens sanftes „Tollite hostias“ beendete ein Konzert, dass nicht zuletzt durch Mitglieder des Sinfonieorchesters souverän getragen wurde. Münstersche Zeitung, 12.01 2010, Günter Moseler