Frappierendes Plädoyer für Pergolesi

Frappierendes Plädoyer für Pergolesi „Ein „Gloria patri“ wie aus extraterrestrischen Sphären. Philipp Mathmann machte diese Hörerfahrung möglich. Der Sopranist war in Bestform“
Westfälische Nachrichten, Christoph Schulte im Walde - 7. Juni 2010
„Eine phänomenale, unglaublich kultivierte und durch alle Lagen hindurch ausgeglichene Stimme.“
Westfälische Nachrichten, Christoph Schulte im Walde - 7. Juni 2010
„Ein Quintett, das einfach bestens zusammen passte. Ein kurzes, knappes „Amen“ beschloss die Vesper, anschließend entlud sich ein Beifallsorkan, wie man ihn in St. Lamberti selten erlebt hat.“
Westfälische Nachrichten, Christoph Schulte im Walde - 7. Juni 2010

Münster – Wer „Marienvesper“ hört, denkt an Claudio Monteverdi und sein vierhundert Jahre altes Meisterwerk. Aber eine „Marienvesper“ von Giovanni Battista Pergolesi? Nie davon gehört. Die gibt es eigentlich auch gar nicht, jedenfalls nicht aus der Hand dieses Komponisten, der in seinem kurzen, nur 26 Lenze zählenden Leben kein solches klingendes Stundengebet geschaffen hat. Was da am Freitag Abend in St. Lamberti zu hören war, ist die Idee eines amerikanischen Musikwissenschaftlers, der einzeln überlieferte Pergolesi-Werke miteinander kombiniert hat. Und siehe da: eine mehr als abendfüllende Vesper kam heraus, eine etwas zu lang geratene, eine liturgisch nicht ganz korrekte. Aber das ist zweitrangig. Worauf es ankommt, ist Pergolesis Musik. Und die ist einfach faszinierend – bis hin zu den immer wieder frappierenden, wie kleine Ausrufezeichen gesetzten Pausen. Den Text und die Musik wirklich sprechen zu lassen, dieser Anspruch ist dem Dirigenten Harduin Boeven und dem Kammerchor Lippstadt ebenso gelungen wie dem Ensemble „Symphonia Nova“, das sich überwiegend aus Studierenden der hiesigen Universität zusammensetzt und für dieses großartige Projekt erweitert wurde. Insgesamt also semi-professionelle Interpreten, die sich höchst professionell in die Ausdruckswelten des virtuellen Vesper-Beters hineinversetzen konnten: der Chor mit frischen, vitalen Stimmen, die Instrumentalisten mit konzentrierter Aufmerksamkeit. Pralle barocke Frömmigkeit legt Pergolesi den Vokalsolisten in die Kehlen. Beschaulichkeit hier, strotzende Festlichkeit dort. Manchmal liegt, wie im Psalm „Laudate pueri“ beides dicht nebeneinander: erst der triumphalistische Lobpreis der Herrlichkeit Gottes („Excelsus“), wenig später ein „Gloria patri“ wie aus extraterrestrischen Sphären. Philipp Mathmann machte diese Hörerfahrung möglich. Der Sopranist war in Bestform, diese ganze Vesper lang – eine phänomenale, unglaublich kultivierte und durch alle Lagen hindurch ausgeglichene Stimme. Nicht minder berührend H. H. (Sopran) und J. M. v. C. (Altus), M. M. (Tenor) und S. Y. P. (Bass) – ein Quintett, das einfach bestens zusammen passte. Ein kurzes, knappes „Amen“ beschloss die Vesper, anschließend entlud sich ein Beifallsorkan, wie man ihn in St. Lamberti selten erlebt hat. Westfälische Nachrichten, 7. Juni 2010 – Christoph Schulte im Walde