Frischer Spaziergang durch die Musik der Stadt

„Bachs „Fuga sopra il Magnificat“ fügte den Jubeltönen Giovanni Battista Pergolesis „Salve Regina“ - von Philipp Mathmanns Sopran makellos intoniert - lakonische Tiefe zu.“
Münstersche Zeitung, Günther Moseler - 2.11.2010

Münster. Beim „Konzertspaziergang durch die Innenstadtkirchen Münsters“ am Samstag spürte man den Luftzug einstiger kühler Herrschaft und die Eiseskälte vergangener Kriege. Die Vitrinen der Geschichte öffneten sich: Die Musik dieser Zeiten und Länder klang wie unangetastet von der Last der Vergangenheit.

In der Lambertikirche bot der dortige Kammerchor unter Christian Bettels die Missa „Ave maris stella“: streng und herb. Arvo Pärts „Magnificat“ dagegen treuherzig und tiefschürfend. Am gleichen Ort gregorianische Gesänge, von der „Choralschola Heilig Kreuz“ mit schwebendem Ansatz realisiert, das „Magnificat“ von Jutta Bitsch schien von dieser Vergangenheit förmlich berauscht.

Acht Gesangssolisten, je vier Saxofonisten und Schlagzeuger inklusive dem „Kammerchor der Dommusik“ hätten in Michael Denhoffs „Magnificat“ op. 98 die akustische Schwerkraft der Clemenskirche mit gezielten Akzenten aus den Angeln heben können. Drei Motetten von Heinrich Schütz eröffneten mit dem glänzend disponierten Jungen Chor Münster sowie dem Heinrich-Schütz- Chor im Dom spirituelle Höhen.

Beinahe hätte man ihn nicht vermisst: Johann Sebastian Bach. Seine „Fuga sopra il Magnificat“ fügte den Jubeltönen Giovanni Battista Pergolesis „Salve Regina“ (von Philipp Mathmanns Sopran makellos intoniert) lakonische Tiefe zu. In der Überwasserkirche übernahm für das „Magnificat im sechsten Ton“ Withold Grohs mit dem Saxofon die improvisatorische Lufthoheit, Andreas Wickel interpretierte die pastellfarbenen „Litanies“ von Jehan Alain. Der Kammerchor der Uni unter Ellen Beinert beschloss im Dom die Reise durch hundertjährige Gezeiten mit kolossalen Jubelgemälden von Herbert Brewer bis Tarik O’Regan.

Die Kirchen sind Wahrzeichen des Stadtbilds und die Kirchenmusiker unverzichtbare Garanten für den Kulturstatus Münsters.