Klingende Vorfreude auf das Kommen Christi

Klingende Vorfreude auf das Kommen Christi „…und wieder durfte das Publikum über seine (P. Mathmanns) außergewöhnliche stimmliche Begabung staunen. Klar und kräftig waren seine Töne, völlig problemlos behaupteten sie sich gegenüber der Orgel.“
Westfälische Nachrichten, 20.12.2009 – Ch. Schulte im Walde

Ottmarsbocholt – Sänger sind in der kalten Jahreszeit besonders gefährdete Musiker, schließlich tragen sie ihr Instrument unentwegt mit sich. Und wenn dann mal ein ungebetener Virus sich ausbreitet, ist die Stimme im schlimmsten Fall einfach weg. S. V.-H. hatte Glück: zwar war der Sänger beim Konzert in St. Urban am Freitag Abend deutlich indisponiert, aber immerhin mobilisierte er seinen Altus so weit, dass das Programm in der beabsichtigten Form realisiert werden konnte.

Ein Programm, das auf wohltuende Weise einmal nicht schon vorgab, es sei bereits Weihnachten! Nein, S. V.-H. und seine beiden Mitstreiter Philipp Mathmann (Sopran) und Harduin Boeven (Orgel) hatten Kompositionen aus Barock und Frühklassik zusammengestellt, in der die Vorfreude auf das Kommen Christi besungen wird. Keine klingende Frühgeburt also, sondern Adventsmusik.

Georg Friedrich Händels „Messias“ ist ganz sicher ein „Dauerbrenner“ – und immer wieder faszinierend zu hören. Auch wenn es wie an diesem Abend „nur“ kleine Häppchen waren. Das Gleiche gilt für Johann Sebastian Bach und sein „Magnificat“, aus dem Philipp Mathmann zwei wunderschöne Arien durch den Kirchenraum fluten ließ. Bereits zum dritten Mal gastierte der junge Sopranist in Ottmarsbocholt – und wieder durfte das Publikum über seine außergewöhnliche stimmliche Begabung staunen. Klar und kräftig waren seine Töne, völlig problemlos behaupteten sie sich gegenüber der Orgel, die Harduin Boeven durchaus mal etwas aufdrehte. Im Duett mit dem angeschlagenen S. V.-H. hätte er einen Gang zurückschalten können – aber wenn es um ein freudiges „Magnificat“ von Jan Dismas Zelenka geht, ist Zurückhaltung nicht unbedingt angesagt.

Noch etliche Perlen mehr waren zu erleben, eingebettet in ein stimmungsvolles Ganzes. Und hier und da zog natürlich schon ein klein wenig von jenem imaginären Weihrauch auf, der (erst) am Weihnachtstag die Krippe umgibt. In Michael Haydns Duett „Wie trostreich ist uns Adamskindern“ beispielsweise. Sein wiegender Charakter verströmte geradezu den Duft der friedlichen Heiligen Nacht.

Orgelwerke des Barock streute Harduin Boeven zwischen die Vokalwerke, mit einer Improvisation bereitete er das abschließende Duett „Orietur stella ex Jakob“ von Johann Valentin Rathgeber vor.

Es wird das unangenehme winterliche Wetter gewesen sein, das viele vom Besuch des Adventskonzertes abgehalten hat. Doch die, die nach St. Urban gekommen waren, erlebten eine fröhlich-besinnliche Stunde mit liebevoll ausgeführter Musik. Westfälische Nachrichten vom 20.12.2009 – Christoph Schulte im Walde