Konzert mit besonderer Note

Konzert mit besonderer Note „Seine Stimme überzeugte mit ihren vielfältigen Schattierungen und ihrer faszinierenden Beweglichkeit.“
Westfälischer Anzeiger, Anke Schwarze – 23.11.2010

WERNE. Über den düsteren Klängen von Chor und Orchester erhebt sich eine einsame Sopranstimme. Sie schickt einen hohen, langanhaltenden Ton durch die Kirche St. Christophorus. Es ist ein schöner Ton, warm, leuchtend und satt. Und er wird von einem Mann gesungen. Philipp Mathmann hat die seltene Fähigkeit, Sopran und Bariton zu singen. Am Sonntag beeindruckte sein Sopran die Zuhörer in Werne. Mathmann trat als Solist beim Requiem von John Rutter auf. Das Requiem wurde aufgeführt vom Verina Ensemble und von der Düsseldorfer Konzertvereinigung.

Der zeitgenössische englische Komponist John Rutter komponierte das Requiem nach zwei Schicksalsschlägen. Innerhalb von nur einem Jahr starben sein Sohn und sein Vater. Rutter vertonte Psalm- und Messtexte und bekennt darin seine Hoffnung auf Auferstehung. Diese hoffnungsvolle Grundstimmung durchzieht die sieben Abschnitte des Werks. Die Musik ist sehr illustrativ, beschreibt Gefühle, erzählt von Idyllen und vom ,,Tal der Todesschatten“. Im ersten Abschnitt malen schwere Bassrhythmen einen Trauermarsch, in den die Chorstimmen plötzlich mit strahlenden Tönen wie Licht hereinbrechen wenn es im Text heißt: ,,Und das ewige Licht leuchte ihnen.“

Rutter verwendet oft schmelzende Geigen- und Harfentönen, rieselnde Klangkaskaden und schwebende Chorstimmen. Gerne setzt er die Frauen- und Männerstimmen kontrastreich ein. Unter der Leitung von Dr. Hans-Joachim Wensing arbeitete das Verina-Ensemble diese Gegensätze klar heraus. Auch Forte und Piano, schnelle und langsame Tempi stellten Chor und Orchester deutlich gegenüber. Das dumpfe ,,Agnus Dei“ mit seinen verstörenden Untertönen steigerte sich zum Hilfeschrei und ging in eine harmonische Szene über, in der überirdische Frauenstimmen die Hoffnung auf Auferstehung betonen. Dazu verlieh Philipp Mathmanns ungewöhnliche Sopranstimme dem Konzert eine besondere Note. Seine Stimme überzeugte mit ihren vielfältigen Schattierungen und ihrer faszinierenden Beweglichkeit.

Anke Schwarze, Westfälischer Anzeiger – 23.11.2010