Neidvoll oder neidlos – das ist die Frage

„Alessandro Grandis „Cantabo Domino“ gab dem Sopranisten Gelegenheit, vokale Linien zu polieren wie fein geschliffenes Glas – mit makellos schönen Tönen.“
Münstersche Zeitung, 20.11.2009 - Günter Moseler
„In Heinrich Schütz‘ „Ich will den Herren loben allezeit“ vermochte der Sänger mit tadellosem mezza voce zu glänzen – und neidlos ließ man sich für Momente zu den Engeln schicken.“
Münstersche Zeitung, 20.11.2009 - Günter Moseler
„Ein ungewöhnlich bezwingendes Konzert.“
Münstersche Zeitung, 20.11.2009 - Günter Moseler
„Der junge Philipp Mathmann sang die erste Aria „Ich bin vergnügt“ mit ausgeglichener Sopranstimme, deren vibratoloses, glockenhelles Timbre den dunklen, verschlungenen Kontrapunkt in seinen Ornamenten, Synkopen und Skalen aufhellte.“
Münstersche Zeitung, 20.11.2009 - Günter Moseler

Münster – Münster-Das Christentum zählt Neid zu den Todsünden. Das Konzert der Reihe „Orgelpunkt“ im Dom stand durch das Gleichnis von den Arbeitern auf dem Weinberg ganz im Zeichen der Neidfrage, auf die in der Kantate „Ich bin vergnügt mit meinem Glücke“ von Johann Sebastian Bach unverkennbar angespielt wird. Bachs Kantate feiert das Glück des Neidlosen, ist ganz der Freiheit des Gönnens und Gewährens hingegeben. Der junge Philipp Mathmann sang die erste Aria „Ich bin vergnügt“ mit ausgeglichener Sopranstimme, deren vibratoloses, glockenhelles Timbre den dunklen, verschlungenen Kontrapunkt in seinen Ornamenten, Synkopen und Skalen aufhellte. Im theatralischen „Recitativo“ betonte der Sänger nuanciert Bachs minimale Affektverschiebungen, die tänzerische Aria „Ich esse mit Freuden“ gelang mit uneitlem Schwung.

Mit diesem Konzert hatte auch das restaurierte Orgelpositiv im Westwerk seinen ersten Auftritt. Domorganist Thomas Schmitz präsentierte das Instrument im Westchor und unterstütze so den kammermusikalischen, intimen Rahmen. Durch kleine Registerwechsel vermochte er auch Bachs ungezähmte „Toccata“ aus der Partita in e-Moll in milde Klanglichkeit zu kleiden. Sanft und sorgenlos glitt Georg Böhms „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ dahin, die schon einen filigranen Spot auf Bachs Abschlusschoral warf.

Alessandro Grandis „Cantabo Domino“ gab dem Sopranisten Gelegenheit, vokale Linien zu polieren wie fein geschliffenes Glas – mit makellos schönen Tönen. In Heinrich Schütz‘ „Ich will den Herren loben allezeit“ vermochte der Sänger mit tadellosem mezza voce zu glänzen – und neidlos ließ man sich für Momente zu den Engeln schicken. Ein ungewöhnlich bezwingendes Konzert. Münstersche Zeitung, 20.11.2009 – Günter Moseler