Schlanker Sopran aus Männerkehle

„Mathmanns Stimme waren keine Anstrengungen anzumerken, als Mann in dieser äußerst exponierten Falsettlage zu singen.“
ASZ, Westfälischer Anzeiger - 05.06.2012
„Fein stufte er sein Crescendo und Decrescendo, sanft ließ er die Töne an- und abschwellen. Dazu gelangen ihm nahtlose Registerwechsel. “
ASZ, Westfälischer Anzeiger - 05.06.2012

Philipp Mathmann überzeugte bei seinem Konzert in der Christophorus-Kirche; er wurde von seinem ebenfalls jungen Kollegen Jan Croonenbroeck an der Orgel begleitet.

WERNE . Wenn Philipp Mathmann anfängt zu singen, wird mancher im Publikum ein zweites Mal hinschauen, um sich zu vergewissern, dass dort wirklich ein Mann steht. Aus dem Mund des 25-jährigen klingt eine klare Sopranstimme. Ein schlanker Sopran, der sich der sich gewandt durch die Koloraturen einer Kantate von Heinrich Schütz windet. Mit seiner Interpretation verschiedener Barockkantaten beschloss Philipp Mathmann am Sonntagnachmittag in St. Christophorus den ,,Day of Song“ in Werne. Begleitet wurde der Solist von einem ebenfalls noch jungem Kollegen, von Jan Croonenbroeck an der Orgel.

Mathmanns Stimme waren keine Anstrengungen anzumerken, als Mann in dieser äußerst exponierten Falsettlage zu singen. Eine Lage, die außerhalb des weiblichen Geschlechts in der Barockzeit nur von Kastraten und heute fast nur von Knabenstimmen erreicht wird. Im Unterschied zu den zarteren Jungenstimmen stellte es für Mathmann kein Problem dar, den Kirchenraum auszufüllen.

Allerdings verließ Mathmann sich nicht allein darauf, ein stimmliches Phänomen zu sein und studiert parallel zu seiner Gesangsausbildung Medizin. Er vollführte ein feines Spiel mit der Tonmodulation. In dem Stück ,,Cantabo domino “ von Alessandro Grandi spitzte er die ,,Hallelujas“ fein zu. Das Forte malte er gläsern, die leiseren Töne weich. Die ganze Bandbreite seiner Interpretation entfaltete Mathmann in Pergolesis ,,Salve Regina“ in h-moll. Fein stufte er sein Crescendo und Decrescendo, sanft ließ er die Töne an- und abschwellen. Dazu gelangen ihm nahtlose Registerwechsel. Neben dieser agilen Stimmführung und den vielseitigen Schattierungen berührte Mathmann auch emotional, vom klagenden 3. Satz bei Pergolesi bis zum strahlenden „Halleluja“ bei Grandi.

Jan Croonenbroeck stand dem Sänger als gleichwertiger Partner zur Seite. Zusammen mit seinem präzisen Anschlag und sensibler Registrierung entstanden auf diese Weise wunderbare Klangbilder von Bach, Andrea Gabrieli oder Händel, die Mathmanns Ausführungen in. -asz