Zwei besondere Stimmen

Zwei besondere Stimmen

Soest – Wer die Augen geschlossen hatte, meinte den kräftigen, beweglichen und unbekümmerten Sopran einer Sängerin zu hören. Tatsächlich aber gehörte die Stimme, die am Sonntagabend in der Heilig-Kreuz-Kirche erklang, dem jungen Philipp Mathmann. Der 23-jährige aus Lippstadt ist ein höchst seltenes physiologisches Phänomen: Er sing nicht nur Sopran, was für einen Mann ohnehin schon ungewöhnlich genug ist; er kann ebenfalls in die Stimmlage Bariton wechseln. Diese Doppelbegabung könnte man belustigt als „spektakuläre Kuriosität“ abtun. Aber bei Philipp Mathmann kommt noch Musikalität dazu. Und diese Fähigkeit sowie seine musikalische Ausbildung befähigen ihn, Arien von Händel bis Haydn überzeugend zu gestalten.

Zusammen mit dem Altus S. V.-H. aus Paderborn und dem gemeinsamen Mentor Harduin Boeven, Kantor an St. Nicolai in Lippstadt, konzertierte der junge Soprano mit Werken von Komponisten des 17. Und 18. Jahrhunderts, wie beispielsweise mit Arien aus Händels Oratorium „Messias“, aus der Weihnachtshistorie von Arnold M. Brunckhorst und dem Magnificat von Jan Dismas Zelenka. Im Duett sangen die Beiden Johann Michael Haydns „Wie trostreich ist uns Adamskindern“, wobei der Altus gegenüber dem frischen Sopran leich indisponiert wirkte.

Die barocke Reihe wurde von einer Improvisation Boevens aufgelockert. Bereits zu Beginn in einem Chorsatz von Nicolaus Bruhns und später in Buxtehudes d-Moll Toccata hatte er durch die farbige Registrierung viele der klanglichen Möglichkeiten der Heilig-Kreuz-Orgel aufgezeigt.

Es war ein Programm für Spezialisten. Aber trotz Kälte, Schneetreibens und einer Parallelveranstaltung, waren viele Zuhörer gekommen, die sich von dem Trio beeindrucken ließen. Soester Anzeiger, 22.12.2009 – bs