Zwischen Musik und Medizin – Sopranist Philipp Mathmann hält sich seine Zukunft noch offen

Philipp Mathmann - Shooting - Sandra Konold

Münster – „Ich operiere wahnsinnig gerne. Die Arbeit im OP ist so spannend und hochinteressant“ – sagt Philipp Mathmann. Was für einen angehenden Mediziner, der in Münster studiert hat und sich auf der Zielgerade seines Studiums befindet, ja erst einmal nichts Ungewöhnliches ist. Doch der 25-jährige Doktorand aus Lippstadt hat in den letzten zwei, drei Jahren Neugier geweckt, und das jenseits aller Medizin. Denn Philipp Mathmann verblüfft in schöner Regelmäßigkeit in Konzerten und auf der Opernbühne – als Sopranist!

Von unserem Redaktionsmitglied Christoph Schulte im Walde

Ein Mann, der Sopran singt: Das ist nach wie vor äußerst ungewöhnlich. Und weil ihm die Musik – die ersten Meriten hat er sich in Münster verdient – mindestens ebenso wichtig ist wie die Medizin, hat Mathmann stets beides parallel gemacht. Wobei das Singen zuletzt immer weitere Kreise gezogen hat. Keine Frage: Sopranisten sind selten und mehr denn je bei Konzertmachern gefragt, wenn es um „Originalklang“ barocker Musik geht. Genau in diesem Bereich, so Mathmann, habe es verlockende Projekte gegeben wie den Barocken Theatersommer Sanssouci 2011 oder die Zusammenarbeit mit dem renommierten „Horus Ensemble“, den Spezialisten aus Frankfurt.

Die Alte-Musik-Szene ist vergleichsweise klein. Ein Phänomen wie „der Sopranist“ spricht sich da ganz schnell herum, neue Kontakte entstehen, spannende Engagements folgen. Doch Philipp Mathmann ist vorsichtig. So vorsichtig, dass er bis auf Weiteres erst einmal keine neuen Konzertzusagen macht. „Ich denke, ich bin zu früh auf zu große Bühnen geraten, vermutlich wegen meines Stimmfaches.“ Jetzt gelte es, weiter an einem soliden technischen Fundament zu arbeiten. „Da ist noch was zu tun.“ Zu tun ist auch noch was für seinen Doktor med. Nicht mehr viel, aber immerhin. Mathmanns letzte praktische Erfahrungen führen ihn dieser Tage erst einmal für acht Wochen nach London an die dortige HNO-Klinik. Natürlich ist London kein Zufall. Auch dort fährt er zweigleisig, schließlich tummeln sich in der britischen Metropole die Größen der Alten Musik.

Mit Emma Kirkby hat er sich getroffen und bekommt nun Unterricht – bei einer der Ikonen des Barockgesangs schlechthin. Fast ein Sechser im Lotto für den jungen Sänger, der direkt im Anschluss an seinen London-Aufenthalt für drei Monate nach Kapstadt fliegt. Dort wartet das nächste medizinische Praktikum, nach musikalischer Nahrung vor Ort wird noch gefahndet. Musik oder Medizin – Musik und Medizin? Philipp Mathmann hält sich seine Zukunft offen: „Erst einmal will ich die Medizin zu einem würdigen Abschluss bringen.“ Nicht ausgeschlossen, dass er danach auch auf seinem musikalischen Weg mit einer weiteren professionellen Gesangsausbildung einen Schritt nach vorn geht. Gefragt ist und bleibt seine Stimme auf jeden Fall.

| www.philipp-mathmann.de

Westfälische Nachrichten – Christoph Schulte im Walde