Zwischen Musik und Medizin

„Die Person, die da in höchsten Tönen singt, ist ein Mann. In höchsten Tönen schwärmen inzwischen auch die Kritiker von Philipp Mathmann, Sopranist und Medizinstudent.“
Münstersche Zeitung, 18.11.2009

Münster – Glasklar klingt die Stimme durch das Hauptschiff der Kirche. Es wird geprobt – im Sopran, der höchsten menschlichen Stimmlage, die fast nur Frauen beherrschen. Am Abend gibt die „Symphonia Nova“, das junge Streichensemble an der Universität Münster, ein Konzert. Die Person, die da in höchsten Tönen singt, ist ein Mann. In höchsten Tönen schwärmen inzwischen auch die Kritiker von Philipp Mathmann, Sopranist und Medizinstudent im sechsten Semester. Heute, morgen und am Freitag (18.-20. November, jeweils 18.30 Uhr) steht Mathmann als Sopransolist auf der sakralen Bühne: Im Dom wird er unter anderem Johann Sebastian Bachs „Ich bin vergnügt mit meinem Glücke“ singen. Mathmanns Glück beginnt früh. Er ist Jahrgang 1986. Mit vier Jahren bekommt er erstmals Klavierunterricht, spielt im Jugendalter als Pianist in Jazzbands und als Organist im Kreis Soest. Seit 2003 nimmt er Gesangsunterricht. Erst als Bariton. Bis sich drei Jahre später eine seltene Begabung zeigt: Mathmanns Stimme trägt in weit höhere Sphären. „Wenn der Bariton im Chor Pause hatte, habe ich den Sopran mitgesungen“, erzählt er.

Harduin Boeven, damals Chorleiter und Kantor an der Lippstädter Nicolaikirche, habe ihm das nicht geglaubt – „er war davon überzeugt, dass er die Männerstimme hätte heraushören müssen“. Auf Rat Boevens stellt sich Mathmann beim Countertenor und Kölner Musikprofessor Kai Wessel vor, der ihm zur Sopranausbildung rät. So beginnt Mathmann 2007 eine Art „Doppel-Studium“: An der Universität Münster studiert er Humanmedizin, nebenbei gibt ihm die münstersche Sopranistin Heike Hallaschka Privatunterricht.Münstersche Zeitung, 18.11.2009. © PMG Presse-Monitor GmbH 10